Moin zusammen,
ich begleite gerade mehrere Übergabeprojekte und merke, dass das Thema Nachfolgefinanzierung im Forum eher stiefmütterlich behandelt wird. Die Situation ist oft völlig anders als bei klassischen Firmenkrediten.
Bei einem Generationswechsel oder Unternehmenskauf im Rahmen einer Nachfolge bewerten Banken ja nicht nur die aktuelle Rentabilität – sie müssen einschätzen, ob der Nachfolger das Geschäft stabilisiert und weiterentwickelt. Das ist psychologisch ein anderes Rating als "Unternehmer X beantragt 100k für neue Maschinen".
Meine Fragen:
1. Wie gewichten Banken die bisherigen Leistungen des Vorgängers vs. die Fachkompetenz des Nachfolgers?
2. Spielen Generationswechsel-Programme von KfW oder regionalen Förderbanken eine realistische Rolle, oder eher Nischenlösungen?
3. Was ist eure Erfahrung: Braucht der Nachfolger persönliche Sicherheiten (Immobilien, Bürgschaften), oder reicht die Unternehmenshypothek?
4. Wie lange im Voraus sollte man das angehen – 6 Monate, 1-2 Jahre?
Freu mich auf Austausch mit erfahrenen Unternehmern und Finanzpraktikern hier.
Thomas W.
Thomas, super Frage. Ich bin gerade selber in der Situation, dass ich meine kleine IT-Beratung mal an jemanden übergeben muss – irgendwann. Das was du fragst, macht mir ehrlich gesagt Kopfzerbrechen. Brauche ich dann nen extra Nachfolgekredit oder wird das einfach als normaler Unternehmenskauf behandelt? Hast du da konkrete Vorschläge für den ersten Kontakt mit der Bank? Also wie man das Gespräch strukturiert?
Guter Punkt, Thomas. Ich hab das bei meinem letzten Vergleich Online-Banken vs. Filialbanken auch festgestellt – bei Nachfolgen sind die Direktbanken meist raus, da brauchste wirklich die persönliche Beziehung zur Hausbank. Die kennen den Vorgänger, die Historie. KfW-Programme gibts, aber der Papierkram ist heftig. Meine Faustregel: 1,5 Jahre voraus planen, spätestens beim Notartermin sollte die Finanzierung stehen.
Das ist ne gute Frage für alle, die ihre Finanzierungsstrategie langfristig aufbauen. Bei der Nachfolge spielen ja auch Sondertilgungsoptionen eine Rolle – wenn der neue Eigentümer schneller tilgen will als der alte geplant hat. Und die Laufzeitenstrukturierung ist kritisch. Hab ich in meinem anderen Thread zu Cashflow vs. Laufzeit schon angesprochen, bei Nachfolgen wird das aber nochmal komplexer.
Thomas, respekt, dass du dich da intensiv mit auseinandersetzt. Aus meiner Perspektive als Pensionär sehe ich die Nachfolgepläne vieler Handwerksbetriebe – da sind die Banken oft überraschend kulant, wenn die Betriebszahlen stimmen. Das Problem ist eher die Bonität des Nachfolgers. Wenn der vorher angestellt war, fehlt oft die Selbstständigen-Historie. Da helfen dann Bürgschaften oder der Vorgänger bleibt noch 2-3 Jahre im Boot.