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Firmenkredit oder Geschäftskonto: Was lohnt sich wirklich mehr?

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UmschuldungsProfi47
Beiträge: 43
Themenstarter
(@umschuldungsprofi47)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 1 Monat
[#31]

Ich beschäftige mich seit einer Weile intensiv mit der Frage, ob es für einen kleinen Gewerbetreibenden sinnvoller ist, zuerst ein solides Geschäftskonto mit Kontokorrentlinie aufzubauen – oder direkt einen Firmenkredit zu beantragen, wenn größere Investitionen anstehen.

Mein Eindruck ist, dass viele Pauschalempfehlungen hier nicht passen. Die meisten Vergleichsportale und auch einige Beiträge hier im Forum schlagen vor: Geschäftskonto zuerst, Kredit später. Aber das greift meiner Meinung nach zu kurz. Die Kontokorrentlinie ist teuer, die Zinsen liegen oft deutlich über dem, was ein klassischer Ratenkredit kosten würde – und trotzdem wird sie als 'flexibel und praktisch' verkauft.

Gleichzeitig frage ich mich: Welche Bonität braucht man realstisch für einen Firmenkredit in vernünftiger Höhe, sagen wir 30.000-80.000 Euro? Und wie beeinflussen Geschäftskonto-Daten (Umsätze, Kontobewegungen) eigentlich die Kreditbewilligung? Hat da jemand konkrete Erfahrungen, nicht nur aus der Theorie?

Mich interessiert auch der strategische Aspekt: Wann ist der Zeitpunkt günstig, um von der Kontokorrentlinie auf einen echten Kredit umzusteigen – also quasi eine Art Umschuldung im Unternehmensbereich? Das scheint kaum jemand zu thematisieren. Gerne auch Erfahrungen mit Online-Anbietern vs. Hausbank.


5 Antworten
HorstBeckmann
Beiträge: 48
(@horstbeckmann)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Gute Frage, die mich auch gerade beschäftigt. Ich hatte das Thema schon mal am Rande in meinem Beitrag zu Investitionskredit für kleinen Betrieb – worauf muss ich achten? angeschnitten, aber da war der Fokus ein anderer.

Was ich bisher herausgefunden habe: Die Banken schauen sich bei einem Firmenkredit tatsächlich die Kontobewegungen des Geschäftskontos sehr genau an. Regelmäßige, stabile Eingänge helfen enorm – und zwar nicht nur die Jahresumsätze, sondern die Gleichmäßigkeit. Ein Konto, das monatelang kaum Umsatz zeigt und dann einmal einen großen Eingang hat, wird kritischer bewertet.

Zur Bonität konkret: Bei 30.000-50.000 Euro sind die Anforderungen noch überschaubar, sobald man Richtung 80.000 geht, wollen die meisten Banken zwei bis drei Jahresabschlüsse sehen. Online-Anbieter sind da manchmal etwas flexibler, aber die Zinsen reflektieren das dann auch.

Die Umschuldungsstrategie von Kontokorrent auf Ratenkredit halte ich übrigens für absolut sinnvoll – sofern man die Disziplin hat, die Linie danach nicht wieder vollzulaufen zu lassen. Das ist der Knackpunkt, den viele unterschätzen.


Antwort
FirmenKreditPro47
Beiträge: 52
(@firmenkreditpro47)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Ich arbeite seit 15 Jahren in der Unternehmensfinanzierung und kann das etwas präzisieren.

Die Frage 'Geschäftskonto oder Firmenkredit' ist so pauschal nicht beantwortbar – es kommt auf die Liquiditätsstruktur des Unternehmens an. Wer saisonale Schwankungen hat (Sommer- oder Weihnachtsgeschäft), braucht eine flexible Linie. Wer eine klar definierte Investition plant, ist mit einem Ratenkredit besser bedient – niedrigerer Zinssatz, planbare Tilgung, fertig.

Zur Bonität bei 30.000-80.000 Euro: Das kommt stark auf die Rechtsform an. EInzelunternehmer werden anders bewertet als GmbHs. Bei Einzelunternehmern fließt die private Bonität – also auch die Schufa – direkt ein. Das ist ein Punkt, den viele vergessen.

Was mich bei der Ausgangsfrage etwas stört: Die Fragestellung suggeriert, es sei eine Entweder-oder-Entscheidung. In der Praxis haben die meisten sinnvoll aufgestellten KMU beides – ein Geschäftskonto mit moderater Kontokorrentlinie für kurzfristige Engpässe und einen Investitionskredit für größere Vorhaben. Die Kunst liegt in der Kombination, nicht in der Auswahl.

Zum Timing der Umschuldung: Frühestens wenn mindestens 12 Monate saubere Kontoauszüge vorliegen und der Jahresabschluss positiv ist. Dann hat man auch Verhandlungsspielraum beim Zinssatz.


Antwort
Thomas_1971
Beiträge: 51
(@thomas_1971)
Trusted Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Ich kenn das Problem aus einer etwas anderen Richtung. Ich hatte mich schon in dem Thread Kontokorrentkredit vs. Ratenkredit – was ist der Unterschied wirklich? damit beschäftigt, und mein Fazit war ähnlich wie deins: Die Kontokorrentlinie wird massiv überbewertet.

Für die Planung ist ein Ratenkredit fast immer besser, weil du feste Raten hast und die Laufzeit kalkulierbar ist. Das hilft auch bei der Haushalts- bzw. Liquiditätsrechnung enorm. Mit einem Finanzierungsrechner kann man da ziemlich schnell durchrechnen, ob sich die Umschuldung rechnet – meistens tut sie das, sobald man die tatsächlichen Kontokorrentzinsen ehrlich einrechnet.

Was ich noch nicht ganz verstehe: Wie läuft das bei Selbstständigen, die kein klassisches Gehalt nachweisen können? Die Banken tun da immer so als ob das ein riesiges Problem wäre, aber ich kenne Leute die das hingekriegt haben.


Antwort
WolframKoch
Beiträge: 39
(@wolframkoch)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 1 Monat

Also ich bin da etwas skeptisch gegenüber der ganzen Diskussion, ehrlich gesagt.

Die meisten Banken – egal ob online oder Hausbank – schauen sich das Geschäftskonto vor einem Kreditantrag sowieso an, egal ob man das freiwillig angibt oder nicht. Wer bei seiner Hausbank einen Kredit beantragt, hat die Daten eh schon längst auf dem Tisch. Die Frage ist eigentlich eine andere: Welche Daten darf die Bank verlangen und welche nicht?

Ich hab mich in meinem Beitrag zu Betriebsmittelkredit beantragen – welche Gebühren und Limits sind realistisch? schon mal mit dem Thema Gebühren beschäftigt, und was mich da immer nervt: Die Banken rechnen Bearbeitungsgebühren, Kontoführungsgebühren, manchmal Bereitstellungsgebühren – und das wird im Effektivzinsvergleich nicht immer sauber abgebildet.

Mein Rat: Vor jedem Unterschrieben das Kleingedruckte zu Gebühren komplett durchlesen. Klingt banal, aber da steckt oft mehr drin als erwartet.


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