Hallo zusammen,
ich bin seit ein paar Wochen wieder hier im Forum aktiv und versuche mich jetzt ernsthafter mit dem Thema Unternehmensfinanzierung auseinanderzusetzen. Ich bin selbstständig – seit gut 6 Jahren – und habe kürzlich zum zweiten Mal einen Kreditantrag gestellt, der abgelehnt wurde. Einmal bei meiner Hausbank, einmal bei einem Online-Anbieter.
Was mich wirklich beschäftigt: Ich bekomme keine vernünftige Begründung. Die Bank sagt nur, die Bonität reicht nicht aus. Aber was bedeutet das konkret? Mein SCHUFA-Score ist nach meiner letzten Selbstauskunft eigentlich nicht schlecht, zumindest keine negativen Einträge. Trotzdem Ablehnung.
Ich vermute, das Problem liegt an meinen schwankenden Einnahmen – als Selbstständiger habe ich natürlich kein festes Gehalt. Letzte Jahr war ein gutes Jahr, das davor eher durchwachsen. Vielleicht bewerten die Banken das anders als ich denke?
Meine Fragen:
- Welche Unterlagen sind für Selbstständige bei einem Kreditantrag besonders wichtig?
- Gibt es spezielle Anbieter, die Selbstständige fairer bewerten?
- Was kostet mich so ein Kreditantrag eigentlich an versteckten Gebühren, wenn er abgelehnt wird – bin ich dann für spätere Anfragen vorbelastet durch SCHUFA-Einträge?
Bin für jeden Hinweis dankbar. Gerade jetzt im Sommer will ich das angehen und nicht wieder monatelang warten.
Aus meiner langjährigen Erfahrung in der Unternehmensfinanzierung kann ich dir einiges dazu sagen, HorstBeckmann.
Das Hauptproblem bei Selbstständigen ist tatsächlich die Einkommensbewertung. Banken nehmen oft den Durchschnitt der letzten 2-3 Jahre und ziehen dann noch einen internen Risikoabschlag ab. Ein durchwachsenes Vorjahr drückt diesen Durchschnitt erheblich. Das hat erstmal nichts mit deinem SCHUFA-Score zu tun.
Was ich konkret empfehlen würde: Lass dir von deinem Steuerberater eine aktuelle BWA erstellen – am besten mit einer kurzen Erläuterung zur Entwicklung. Das zeigt der Bank, dass du die Zahlen im Griff hast. Zweitens: Frag explizit nach der KfW-Förderbank – die haben spezielle Programme für Selbstständige, die über Hausbanken beantragt werden und günstigere Bewertungskriterien haben können.
Zu den Kosten: Direkte Gebühren bei Ablehnung gibt es normalerweise nicht. Die Konditionsanfrage ist SCHUFA-neutral, die Kreditanfrage nicht – das wurde hier schon richtig erklärt. Was die meisten vergessen: zu viele Anfragen in kurzer Zeit signalisieren der Bank selbst Finanzierungsdruck, das ist ein indirektes Risikosignal. Lieber drei gut vorbereitete Anfragen als zehn halbgare. Hab das Thema Finanzierungsrealismus auch in einem anderen Kontext beleuchtet – einiges davon lässt sich übertragen.
Ich war in einer ähnlichen Situation und hab das hier mal ausführlicher beschrieben. Kurz zusammengefasst was mir aufgefallen ist:
Banken bewerten Selbstständige grundsätzlich als höheres Risiko – das ist leider Fakt. Schwankende Einkommen werden oft mit einem internen Risikoaufschlag versehen, auch wenn dein SCHUFA-Score sauber ist. Einige Anbieter haben spezielle Scoring-Modelle für Unternehmer, da lohnt der Vergleich wirklich.
Für Unterlagen würde ich mindestens mitbringen: letzten 3 Jahresabschlüsse oder EÜR, aktuelle BWA (nicht älter als 3 Monate!), Kontoauszüge der letzten 6 Monate und Steuerbescheide. Manche Banken wollen auch einen Businessplan, selbst wenn du schon länger selbstständig bist.
Direkte Gebühren bei Ablehnung: keine. Aber mehrere harte SCHUFA-Anfragen in kurzer Zeit können sich summieren. Also strategisch vorgehen, nicht wild bei 5 Banken gleichzeitig anfragen.
Bezüglich Gebühren bei Ablehnung: bei normalen Online-Anbietern fallen da keine an, das ist zumindest meine Erfahrung. Aber ich würde trotzdem die SCHUFA im Auge behalten – nach einer Ablehnung einfach kurz Pause machen und nicht sofort die nächste Anfrage starten.
Hallo HorstBeckmann,
die Situation kenne ich ein bisschen von der anderen Seite – ich hab mich selbst lange mit Umschuldungsthemen beschäftigt und dabei auch viel über Bonitätsbewertungen gelernt. Was die Banken bei Selbstständigen immer wollen: mindestens 2, besser 3 Jahre Einkommensnachweise (EÜR oder Bilanz), plus aktuelle BWA. Das reicht aber manchmal noch nicht, weil die Bank den Durchschnitt der letzten Jahre nimmt – ein schlechtes Jahr zieht da ganz schön runter.
Zur SCHUFA-Frage: Eine normale Kreditanfrage wird als "Konditionsanfrage" eingetragen, die ist neutral. Wenn du aber eine "Kreditanfrage" hattest, bleibt die 12 Monate sichtbar und kann den Score minimal drücken. Lass dir das beim nächsten Mal explizit bestätigen, welche Art von Anfrage gestellt wird – hab das selbst mal in einem anderen Thread diskutiert: Kontokorrentkredit vs. Ratenkredit – was ist der Unterschied wirklich?
Versteckte Gebühren bei Ablehnung gibt es in der Regel nicht, aber das SCHUFA-Thema solltest du im Blick behalten.