Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit Unternehmensfinanzierung und habe gerade eine interessante Situation: Wir haben noch zwei laufende Firmenkredite aus 2021/2022, bei denen die Zinssätze damals zwischen 4,5% und 5,2% lagen. Jetzt im Juli sehe ich bei einigen Online-Anbietern und auch bei klassischen Banken deutlich bessere Konditionen – teilweise unter 3,8% für vergleichbare Laufzeiten.
Bevor ich mich mit meiner Bank hinsetze oder Angebote einhol, möchte ich die Sache mal durchdenken: Woran erkenne ich wirklich, ob sich eine Umschuldung rechnet? Ich meine nicht nur die reinen Zinsersparnisse, sondern auch Vorfälligkeitsentschädigungen, Nebenkosten, Bearbeitungsgebühren bei den neuen Anbietern. Einige Online-Kreditgeber werben ja mit "kostenlos", aber ich bin da skeptisch.
Wie geht ihr da vor? Gibt es eine Faustregel oder einen konkreten Rechner-Ansatz? Und wie berücksichtigt ihr die Restlaufzeit – macht eine Umschuldung bei kurzer Restlaufzeit überhaupt Sinn?
Freue mich auf eure praktischen Erfahrungen.
Gute Frage, FirmenKreditPro47. Bei meinen Umschuldungsanalysen nutze ich immer folgende Rechnung: Die Zinsersparnis pro Jahr multipliziert mit der Restlaufzeit minus Vorfälligkeitsentschädigung und Gebühren des neuen Kreditgebers. Mindestens 2-3% Zinsersparnis sollten es schon sein, sonst wird es zu eng. Bei deinen Konditionen (4,5-5,2% zu unter 3,8%) hast du ja durchaus Potenzial. Ich würde aber auch checken, ob die neue Bank bessere Konditionen bei Sondertilgungen bietet – das ist oft unterschätzt. Hier in meinem letzten Projekt habe ich das massiv unterschätzt und mir später gereut.
Nach langer Zeit im Forum bin ich wieder aktiv und das ist genau das Thema, das mich interessiert. Ich würde parallel zur Zinsersparnis auch die Flexibilität checken – viele neue Online-Angebote sind standardisiert und bieten weniger Spielraum bei Sondertilgungen oder bei Anpassungen im Geschäftsverlauf. Das ist bei Firmenkrediten oft wichtiger als 0,3% Zinsersparnis.
Das ist ja interessant, aber sei vorsichtig: Die Online-Anbieter mit "kostenlos" haben oft versteckte Gebühren in den Nebenkosten oder in der Kreditvergabe selbst. Ich habe das gerade bei meiner Recherche für einen Betriebsmittelkredit festgestellt – was am Anfang günstig aussah, war am Ende teurer. Meine Empfehlung: Hole dir drei konkrete Angebote ein (eine Hausbank, eine Online-Bank und eine Spezialbank für Firmenkredite) und vergleiche die Effektivzinsen direkt miteinander. Das ist die einzig verlässliche Methode.
Kurze Anmerkung: Bei baufinanzierten Projekten sieht das ganz anders aus als bei reinen Firmenkrediten – da lohnt sich Umschuldung oft schon ab 0,5% Ersparnis. Aber für deine Situation als KMU-Unternehmer mit klassischen Firmenkrediten brauchst du definitiv höhere Schwellenwerte.